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Kommunalpolitik
In 40 von 401 Landkreisen und kreisfreien Städten regieren Frauen


Stadt- und Kreisverwaltungen werden überwiegend von Männern geleitet. Am geringsten ist der Frauenanteil unter den Landräten und Oberbürgermeistern in Nordrhein-Westfalen. Von JAN-NIKLAS KNIEWEL



Nur zehn Prozent aller Landkreise und kreisfreien Städte werden von Frauen regiert. Die meisten Landrats- und Oberbürgermeisterposten besetzen sie mit 26 Prozent in Thüringen. Am seltensten sind sie in diesen Ämtern in Nordrhein-Westfalen vertreten – mit gerade mal 3,8 Prozent.1

Die Kommunalpolitik wird seit jeher von Männern dominiert. Das Problem beschränkt sich keineswegs auf den ländlichen Raum: Der Heinrich-Böll-Stiftung zufolge ist der Frauenanteil im Oberbürgermeisteramt von Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern zwischen 2008 und 2017 von 18 auf acht Prozent gesunken.2 In Stadt- und Gemeinderäten stellen Frauen etwa ein Viertel der Mandatsträger, wobei aktuelle Zahlen schwer aufzutreiben sind.3

Warum ist das so? Der Job des Landrats oder Bürgermeisters ist aufgrund des hohen Arbeitspensums bisher kaum mit Kindern und Familie zu vereinbaren. Zudem treten Frauen später in Parteien ein, sie sind dort schlechter integriert und weniger vernetzt. Das liegt auch daran, dass sie im Alter von 30 bis 40 Jahren oft mit der Familie beschäftigt sind, während Männer in dieser Zeit die Grundlage für ihre spätere Karriere legen, indem sie sich in Partei und im Ort engagieren.4 Das vorliegende Maß an Ungleichheit lässt sich durch diese Faktoren jedoch nur teilweise erklären.

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[1] Quelle sind die jeweiligen Websites der Kreise und Städte sowie im Falle Bayerns die Wahlergebnisse wie sie vom Bayerischen Rundfunk präsentiert wurden (die Gewinner der jüngsten Kommunalwahlen treten ihre Posten jedoch erst im Mai an).
[2] Die Autoren haben jedoch nicht alle deutschen Großstädte berücksichtigt. Vgl. Holtkamp, Lars; Elke Wiechmann; Monya Buß: Genderranking deutscher Großstädte 2017, auf: boell.de (April 2017).

[3] Stöhr, Maria; Guido Grigat: Wo Frauen immer noch die Ausnahme sind, auf: spiegel.de (17.3.2019).
[4] Ebd.


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29.04.2020
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Kommentare


Maik   22:03 Uhr 29.04.2020

Ein weiterer Grund für die Unterrepräsentation von Frauen darf nicht vergessen werden: Das Wahlsystem. Landräte und Bürgermeister werden als Personenwahl in Ein-Mann-Wahlkreisen gewählt. Soll heißen: Statt wie mit der Zweitstimme bei der Bundestagswahl eine Liste von Personen (bsp. die Liste "SPD Niedersachsen") zu wählen, wählen die Wähler*innen eine*n Kandidat*in.
In der Politikwissenschaft gilt es als stark empirisch belegt, dass bei so einem Wahlsystem Frauen strukturell benachteiligt werden (siehe bsp. Kenworthy & Malami: Gender Inequality in Political Representation, 1999). Frauen werden in einem solchen Wahlsystem sowohl seltener von den Parteien aufgestellt, als auch seltener gewählt, wenn sie zur Wahl stehen.



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