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Rüstungspolitik
Zwei Billionen Dollar fürs Militär


Die weltweiten Militärausgaben sind im Jahr 2019 um 3,6 Prozent gewachsen – so stark wie seit einem Jahrzehnt nicht mehr. Europa verzeichnet einen Zuwachs von fünf Prozent. Von JAN-NIKLAS KNIEWEL



Insgesamt 1,92 Billionen Dollar haben Staaten 2019 für ihre Militärapparate ausgegeben, also 1,78 Billionen Euro. Das entspricht einem Wachstum von 3,6 Prozent, wie aus dem jährlichen Bericht des Stockholm International Peace Research Institute (Sipri) hervorgeht.1

Am stärksten stiegen die Ausgaben in Europa: um fünf Prozent. Deutschland verzeichnet sogar einen Anstieg um zehn Prozent. Insgesamt betrugen die Wehrausgaben der Bundesrepublik 49,3 Milliarden US-Dollar. Damit ist das Land im europäischen Vergleich nach Frankreich auf Platz zwei, weltweit auf Platz sieben der Länder mit den größten Rüstungsausgaben.2

Zuletzt wurden hierzulande 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) ausgegeben. Bis 2024 soll es noch mehr werden: 1,5 Prozent.3 Ginge es nach der Nato, lägen die Ausgaben bei zwei Prozent. Dieses Ziel erreichen gegenwärtig acht von 30 Mitgliedsstaaten des Bündnisses.



Die USA geben mit Abstand am meisten fürs Militär aus. Sie sind mit dem Betrag von gut 730 Milliarden Dollar für mehr als ein Drittel des globalen Wehretats verantwortlich. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Zuwachs von über fünf Prozent. Die nächstgrößeren Militärausgaben unterhalten China (14 Prozent der weltweiten Investitionen), Indien (3,7 Prozent), Russland (3,4 Prozent) und Saudi-Arabien (3,2 Prozent). Im Golfstaat gingen die Ausgaben zuletzt jedoch deutlich zurück.

Ein geringes Wachstum verzeichnet Afrika, hier wurden 1,5 Prozent mehr investiert als im Vorjahr. In den Staaten südlich der Sahara sanken die Ausgaben insgesamt sogar. Die Schwankungen sind jedoch enorm. So gab Togo 70 Prozent mehr Geld aus als 2018 und Uganda 52 Prozent. Im Niger, in Benin und in Simbabwe hingegen gingen die Aufwendungen fürs Militär um ein Fünftel zurück.



Ein anderes Bild ergibt sich, wenn man die Zahlen in Relation zur Bevölkerungsgröße oder zum Bruttoinlandsprodukt setzt. Diverse Kleinstaaten, die oft kein eigenes Militär haben, sowie mehrere größere Staaten werden von Sipri allerdings nicht berücksichtigt, weil es etwa keine belastbaren Daten gibt. Viele dieser Länder werden autokratisch geführt. Teils verfügen sie über üppig ausgestattete Militärapparate. In den alternativen Ranglisten könnten einige von ihnen – wie die Vereinigten Arabischen Emirate – wahrscheinlich Spitzenpositionen besetzen.4



Im Median investieren alle von Sipri gelisteten Staaten 1,5 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts. Nutzt man diesen Indikator, führen Oman, Saudi-Arabien, Algerien, Kuwait und Israel das Ranking an. Pro Kopf gaben Israel, die USA, Singapur, Kuwait und Saudi-Arabien das meiste Geld für ihr Militär aus.

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[1] Nan Tian; Alexandra Juimova; Diego Lopes Da Silva et al.: Trends in World Military Expenditure 2019, auf: sipri.org (27.4.2020).
[2] Für mehrere Länder stuft Sipri die vorliegenden Daten als „sehr unsicher“ ein: Großbritannien, Irak, Ägypten, Kambodscha, Eswatini, Äthiopien und Argentinien.
[3] o.A.: Merkel weist Kritik zurück - Militärausgaben 2024 bei 1,5 Prozent des BIP, auf: reuters.com (19.3.2019).
[4] Neben den Vereinigten Arabischen Emiraten fehlen in den Daten von Sipri unter anderem: Katar, Syrien, Jemen, Libyen, Turkmenistan, Usbekistan, Nordkorea, Laos, Myanmar, Vietnam, Dschibuti, Äquatorial-Guinea, Guinea-Bissau, Kuba und Venezuela.


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04.05.2020

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