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Wirtschaftskrisen
Von Finanzkrisen profitieren vor allem rechte Parteien


In Krisen gibt es Gewinner und Verlierer – auch in der Politik: Nach Finanzkrisen gewinnen rechte und rechtsextreme Parteien deutlich an Zulauf. Linke Parteien können solche Krisen nur selten nutzen. Von CORNELIA SCHIMEK



Krisen haben nicht nur wirtschaftliche Folgen, sie können ganze politische Systeme destabilisieren. Das zeigt die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933. Vier Jahre zuvor war die Börse in den USA zusammengebrochen und hatte eine der schwersten weltweiten Wirtschaftskrisen ausgelöst. Der NSDAP gelang es, ihren Stimmenanteil von 2,6 Prozent (vor der Krise) auf 18,3 Prozent (1930) und schließlich 37,4 Prozent (1932) zu steigern.1

Dass rechte Parteien durch Krisen an Zustimmung gewinnen, ist allerdings kein historischer Einzelfall, sondern ein wiederkehrendes Muster. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie aus dem Jahr 2016.2 Ein Team von Wissenschaftlern aus Berlin, Bonn und München wertete die Ergebnisse von über 800 Wahlen in 20 Staaten im Zeitraum von 1870 bis 2014 aus. Sie untersuchten, welche Parteien fünf Jahre nach einer Wirtschaftskrise Stimmen dazugewannen oder verloren. Unterschieden wurde dabei nach Finanzkrisen, normalen Rezessionen und schweren Krisen ohne Bankencrash, die durch externe Faktoren wie zum Beispiel Umweltkatastrophen ausgelöst wurden.

Das Ergebnis: Handelte es sich um eine Finanzkrise, konnten rechte und rechtsextreme Parteien ihren Stimmenanteil um durchschnittlich 30 Prozent steigern. Beispielsweise erhöhte sich der Stimmenanteil für die rechtspopulistische Partei Wahre Finnen bei der Europawahl von circa 10 Prozent im Jahr 2009 auf knapp 13 Prozent im Jahr 2014. Andere Parteien konnten ihren Anteil in diesem Zeitraum sogar verdreifachen (Schwedendemokraten) oder vervierfachen (Front National).3

Bei normalen Rezessionen und Krisen, die durch Ereignisse wie Kriege oder Naturkatastrophen ausgelöst wurden, zeigte sich dieser Trend – mit wenigen Ausnahmen – nicht. Linke Parteien gewinnen hingegen im Durchschnitt kaum oder nur wenig dazu. Nur in wenigen Fällen profitieren sie, mit einem gewissen zeitlichen Verzug. Dies ist der Fall, wenn die akute Krise vorbei ist, die Wirtschaft sich aber nur langsam erholt - wie etwa bei Syriza in Griechenland.4

Wieso profitieren rechte Parteien direkt nach Finanzkrisen, linke Parteien aber nicht? Die Forscher vermuten einerseits, dass Wähler in solchen Zeiten Parteien zuneigen, die ihnen Recht, Ordnung und Stabilität versprechen. Revolutionäre, linke Ideen würden hingegen abgelehnt. Außerdem können sich rechte Parteien in der Krise profilieren, indem sie vermeintlich einfache Antworten auf komplexe Probleme geben – etwa indem sie ohnehin vorhandene Feindbilder instrumentalisieren und Hass auf Ausländer, Minderheiten und politische Gegner schüren.5

Dieser Artikel erschien in der 8. Ausgabe des KNICKER, die Katapult-Sonderausgabe im A1-Format. Der KNICKER erscheint alle drei Monate – immer mit Riesenkarte, jedes Mal mit ausführlichen, gründlich recherchierten Berichten zu ausgewählten Themen. Wenn Sie den KNICKER abonnieren möchten schließen sie hier das Kombi-Abo im Aktionspaket ab.




[1] Deutscher Bundestag (Hg.): Reichstagswahlergebnisse und Mandate in der Weimarer Republik, auf: bundestag.de.
[2] Funke, Manuel; Schularick, Moritz; Trebesch, Christoph: Going to extremes: Politics after financial crises, 1870–2014, in: European Economic Review (2016), S. 227-260.
[3] heute: Rassemblement National.
[4] Zacharakis, Zacharias: Im Zweifel rechts, auf: zeit.de (9.3.2016).
[5] Funke, Manuel; Schularick, Moritz; Trebesch, Christoph: 10 Jahre Lehman: Populismus als Erbe der Finanzkrise, auf: ifw-kiel.de (Sept. 2018).


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17.08.2020

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