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Umweltschützer
Feinde des Staates, Feinde der Konzerne


Mindestens 1.722 Umweltschützer und Landrechtsaktivisten wurden seit 2002 getötet – Angehörige indigener Völker sind besonders stark von der Gewalt betroffen. Kaum einer der Täter wird bestraft. Von JAN-NIKLAS KNIEWEL



In Januar 2018 töteten Soldaten in Kambodscha drei Waldschützer, die das Werkzeug illegaler Holzfäller beschlagnahmen wollten. Im Mai erschoss die indische Polizei 13 Demonstranten, die im Bundesstaat Tamil Nadu gegen eine Kupferhütte demonstrierten. Im kongolesischen Virunga-Nationalpark wurde im November der Ranger Kasereka Masumbuko Ezéchiel von Milizionären ermordet.

Umweltschützer leben gefährlich. Der Menschenrechtsorganisation Global Witness zufolge wurden im vergangenen Jahr mindestens 164 von ihnen ermordet.1 Seit 2002 verloren somit 1.722 Umweltschützer und Landrechtsaktivisten durch Gewalt ihr Leben. 847 von ihnen starben allein in den letzten fünf Jahren. Insbesondere in Afrika vermuten Menschenrechtler eine hohe Dunkelziffer. Denn dort gibt es weniger lokale Organisationen, die entsprechende Fälle dokumentieren. 

Am stärksten von der Gewalt betroffen sind Angehörige indigener Völker, die versuchen, ihr Land zu verteidigen. Sie sind besonders bedroht, weil ihre Besitzrechte oft nicht verbrieft sind, die Konflikte um ihr Land meist fernab der Öffentlichkeit stattfinden oder die Staaten, in denen sie leben, ihre Bürgerrechte nicht ausreichend schützen. So geraten sie in Konflikt mit Unternehmen, die die natürlichen Ressourcen in ihren Lebensräumen ausbeuten wollen. Im Umfeld des Bergbaus, der Holzindustrie und der Landwirtschaft sind die meisten Opfer zu verzeichnen. Die meisten Täter bleiben ungestraft: Nur etwa jeder zehnte Mord an einem Umweltschützer wird vor Gericht gesühnt. Stattdessen würden viele Staaten neue Gesetze verabschieden, die Umweltschützer kriminalisieren und zum Schweigen bringen sollen, so Global Witness.

Das Hauptproblem ist laut einem Forscherteam der University of Queensland mangelnde Rechtsstaatlichkeit. Je geringer diese ausgeprägt sei, desto gefährlicher leben Umweltaktivisten.2  Auch der globale Aufstieg rechtspopulistischer Autoritärer gibt Anlass zur Sorge, haben diese doch in der Regel weder für Minderheitenrechte noch für Umweltschutz viel übrig. Im vergangen Jahr starben die meisten Aktivisten auf den Philippinen. Hier stieg seit dem Amtsantritt des autoritär regierenden Präsidenten Rodrigo Duterte insbesondere die Zahl getöteter indigener Aktivisten drastisch an. Der stramm rechte brasilianische Präsident Jair Bolsonaro lockerte neben den Umweltschutzgesetzen auch gleich das Waffenrecht und versprach im Wahlkampf, „keinen Quadratzentimeter“ mehr als Schutzgebiet für indigene Völker auszuweisen.3 Global Witness wiederum warnt vor einer Verschärfung der den Morden zugrunde liegenden Konflikte durch den Klimawandel. Obwohl die Opferzahlen 2018 im Vergleich zum Rekordjahr 2017 gesunken sind, gibt es also keinen Grund für Entwarnung.

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[1] Vgl. Global Witness (Hg.): Enemies of the state? How governments and business silence land and environmental defenders, auf: globalwitness.org (7/2019).
[2] Vgl. Butt, Nathalie u.a.: The supply chain of violence, in: Nature Sustainability 2 (2019), S. 742-747. 
[3] Phillips, Tom: ’He wants to destroy us': Bolsonaro poses gravest threat in decades, Amazon tribes say, auf: guardian.com (26.7.2019).


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13.08.2019

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